fifa window“Seien wir ehrlich. Wir haben bei der Verhinderung des Missbrauchs von Menschenrechten in Verbindung mit den Weltmeisterschaften 2018 in Russland und 2022 in Katar keine Zeit zu verlieren” – Sylvia Schenk, Transparency International Germany

Noch immer muss die FIFA beweisen, dass sie es mit dem Kampf gegen Menschenrechtsverletzungen und Korruption rund um die Weltmeisterschaften ernst meint. Nicht einer ihrer Präsidentschaftskandidaten hat die von einer Gruppe führender Nichtregierungsorganisationen (NGOs) vor der Wahl am 26. Februar aufgesetzten Versprechen unterschrieben oder alternative Maßnahmen artikuliert, um die ihnen zugrundeliegenden Probleme effektiv anzugehen.

NGOs wie Human Rights Watch, Football Supporters Europe, Terre des Hommes und Transparency International Germany hatten die fünf Kandidaten aufgefordert, sich dazu zu verpflichten, in den ersten 100 Tagen ihrer Amtszeit als Präsident sechs Schritte zu unternehmen, um die FIFA auf den Weg zu bringen, sicherzustellen, dass rund um Weltmeisterschaften und andere Turniere keine Menschenrechtsverletzungen oder Korruption auftreten oder begangen werden.

Während keiner der Kandidaten die gesamten Versprechen unterschrieb, antworteten vier von ihnen – Jerome Champagne, Prinz Ali bin Al-Hussein, Gianni Infantino und Scheich Salman Al-Khalifa -
und sagten zu, einige der von den NGOs formulierten Probleme angehen zu wollen. Sie erkannten an, dass Transparenz und Verantwortlichkeit auf allen Ebenen intensiviert werden müssen, keiner jedoch erkannte die Notwendigkeit eines unabhängigen beratenden Ausschusses an, um die ergriffenen Maßnahmen auf diesem Gebiet zu überwachen. Jedoch kündigte Prinz Ali Pläne an, den ehemaligen UN-Generalsekretär Kofi Annan als Kopf einer unabhängigen Aufsichtsgruppe gewinnen zu wollen.

Sylvia Schenk von Transparency International Germany sagte:

“Die Tatsache, dass keiner der Kandidaten gewillt ist, ausreichend starke Maßnahmen zur Verhinderung von Menschenrechtsverletzungen und Korruption im Rahmen von Sportgroßereignissen zu ergreifen zeigt, dass die FIFA-Spitze noch einen sehr langen Weg vor sich hat. Das Gleiche gilt für das Verständnis hinsichtlich der Wichtigkeit der Beratung mit lokalen Gemeinschaften, die von den Veranstaltungen betroffen sein könnten sowie mit Expertengruppen auf den Gebieten der Menschenrechte und der Transparenz.”

“Seien wir ehrlich. Wir haben bei der Verhinderung des Missbrauchs von Menschenrechten in Verbindung mit den Weltmeisterschaften 2018 in Russland und 2022 in Katar keine Zeit zu verlieren. Die Weltmeisterschaft darf die lokale Bevölkerung nicht schädigen.”

“Taten zählen mehr als Worte, und wer auch immer FIFA-Präsident wird, muss auf der Stelle handeln, wenn er nicht möchte, dass zukünftige Veranstaltungen durch Menschenrechtsverletzungen und Korruption beschädigt werden.”

 

Die Zusagen, die von den NGOs formuliert wurden, beinhalten Verpflichtungen zu:

• Schritten zu effektiven Maßnahmen zum Schutz von Menschenrechten und zur Verhinderung von Korruption während jeder Stufe der Ausrichtung einer Weltmeisterschaft oder einer anderen FIFA-Veranstaltung

• Effektiven Maßnahmen zur Identifikation, Verhinderung sowie der Minimierung des Korruptionsrisikos und von Menschenrechtsverletzungen im Zusammenhang mit Weltmeisterschaften und anderen FIFA-Veranstaltungen

• Aufforderungen an die Behörden in Russland und Katar, Menschenrechtsverletzungen in Verbindung mit den 2018 und 2022 stattfindenden Weltmeisterschaften zu verhindern

• Intensivierung von Verantwortlichkeit und Transparenz in nationalen und kontinentalen Verbänden sowie innerhalb der FIFA und die Bildung eines unabhängigen Aufsichtskomitees zur Überwachung der Umsetzung der Maßnahmen

• Stärkung der Geschlechtergleichheit durch Investitionen in den Frauenfußball und zum Kampf gegen Diskriminierung von Frauen und LGBTI Menschen, sowie zur Beendigung diskriminierender Praktiken als Bedingung für die Ausrichtung einer Weltmeisterschaft oder einer anderen FIFA-Veranstaltung

• Beratung mit NGOs und lokalen Gemeinschaften, die von einer Weltmeisterschaft oder einer anderen FIFA-Veranstaltung betroffen sind sowie zur Thematisierung von Menschenrechtsverletzungen und wenn nötig auch zur Entschädigung von Gemeinschaften, die mit Menschenrechtsverletzungen im Rahmen einer FIFA-Veranstaltung konfrontiert werden

 

Wie die Kanidaten antworteten

Jerome Champagne antwortete mit einer abgeänderten Erklärung, in der er zusagte, die Behörden in Russland und Katar aufzufordern, Menschenrechtsverletzungen im Zusammenhang mit den Weltmeisterschaften 2018 und 2022 zu verhindern. Er versprach, die Diskriminierung von Frauen und LGBTI Menschen zu bekämpfen und die Abschaffung diskriminierender Praktiken zum Kriterium für eine Ausrichtung von FIFA-Veranstaltungen zu machen. Er versprach nicht, ein unabhängiges Aufsichtsgremium zu installieren oder NGOs und Gemeinschaften, die von FIFA-Veranstaltungen betroffen sind, zu konsultieren, “ohne eine präzise Definition” dieser Gruppen.

Prinz Ali bin Al-Hussein unterschrieb die Erklärung nicht, antwortete jedoch mit einem Brief, in dem er schrieb, sein Manifest priorisiere die Bekämpfung des Handels mit jungen Spielern sowie den Schutz von Spielern und Fans vor Rassismus. Er betonte seine Unterstützung des Frauenfußballs und erklärte, dass er während seines Wahlkampfes die Notwendigkeit der Beachtung von Menschenrechten sowie Arbeiterrechten für zukünftige Weltmeisterschaften thematisiert habe und versprach, dass er im Falle seiner Präsidentschaft zukünftige Ausrichterländer hierfür verantwortlich machen werde. Er bekannte sich nicht im Speziellen dazu, Menschenrechtsverletzungen im Rahmen der Weltmeisterschaften in Russland und Katar zu thematisieren, sorgfältige Maßnahmen zur Identifizierung potenzieller Menschenrechtsverletzungen im Rahmen von FIFA-Veranstaltungen einzuführen oder ein unabhängiges Aufsichtsgremium einzusetzen, um Maßnahmen zur Verantwortlichkeit zu überprüfen.

Gianni Infantino erklärte in einem Brief, dass die meisten Punkte durch sein Programm abgedeckt seien, inklusive der Themen Governance, Transparenz, Einbezug von Stakeholdern, Vielfalt und transparente Bewerbungsprozesse. Er sagte, dass die FIFA eine “klare Verantwortung” habe, sicherzustellen, dass Arbeitskräfte, die “direkt in der Durchführung ihrer Turniere involviert sind, Respekt für ihre Menschenrechte erfahren sollten“. Er bezog sich auf die Unterstützung für Menschenrechte und Anti-Korruptionsmaßnahmen zur UEFA EURO 2016. Er verpflichtete sich nicht dazu, entsprechende Maßnahmen einzuführen oder Russland und Katar aufzufordern, auf die Einhaltung von Menschenrechten im Rahmen der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 zu achten. Ebenfalls verpflichtete er sich nicht zur Einführung eines unabhängigen Aufsichtsgremiums.

Scheich Salman Al-Khalifa unterschrieb eine abgeänderte Erklärung, in der er zusagte, in den Frauenfußball zu investieren und die Beendigung diskriminierender Praktiken gegen Minderheiten zu einem Kriterium für die Ausrichtung einer Veranstaltung zu Machen. Er erklärte, alle Ausrichter von Weltmeisterschaften dazu aufzufordern, Menschenrechtsverletzungen zu verhindern und die Rechte von Arbeitern zu sichern. Russland und Katar entfernte er ebenso aus der Erklärung, wie die Erwähnung der Diskriminierung von Frauen und LGBTI Menschen. Zudem entfernte er den Teil der Erklärung, der die Beratung mit NGOs enthält und verpflichtete sich auch nicht zur Installation eines unabhängigen Aufsichtsgremiums zur Überwachung der Maßnahmen zur Verantwortlichkeit.

Tokyo Sexwale antwortete nicht.

 

Die Erklärung wurde von folgenden Gruppen an die Kandidaten gesandt:
Amnesty International Niederlande
Amnesty International UK
Human Rights Watch
Football Supporters Europe
Terre des Hommes
Transparency International Germany

Für die vollständigen Antworten der Kandidaten oder weitere Informationen kontaktieren Sie bitte:
Daniela Wurbs: +49-40-370-877-51; oder info@fanseurope.org
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